Forschung+Lehre

LehrRAUM

,Dass die erste Pflicht eines Gebäudes gegenüber dem Gewebe besteht, von dem es einen Teil bildet, ist, so glauben wir, das Verständnis, welches die dritte Generation der Moderne von derjenigen, die ihr vorausging unterscheidet, …, die nächste Architektursammlung unserer Zeit wird eine völlig andere sein, da sie nicht ,Gebäudeʻ dokumentieren wird, sondern ,gebauteʻ Situationen.ʻ – Peter Smithson

Raum ist das, was sich zwischen den Dingen aufspannt. Das Instrument der Raumgestaltung ist die Gestaltung der Körper, die den Raum begrenzen. Es ist das in Beziehung Setzen des Einzelnen mit dem Anderen, es ist die Arbeit an der Situation nicht am losgelösten Objekt, also immer das Weiterbauen im Vorhandenen. Dieses Weiterbauen kann kontinuierlich oder diskontinuierlich sein.

In unserer konkreten Lehre bedeutet das zu allererst eine Mentalität zu vermitteln, die ausgehend vom Gegebenen zuerst eine Problemstellung formuliert den engeren und weiteren Kontext, die Bedingungen von Ort und Programm analysiert und interpretiert und auf dem Hintergrund eines mimetisch erworbenen Referenzraum der Architektur, insbesondere der Raummodelle der Moderne in eine neue Lösung transferiert.

RAUM 1 – das erste Semester

Der erste Entwurf ist bestimmt von der Neugier und Freiheit des Beginnens. Er ist eine erste spielerische Versuchsanordung, einen Kontext selbst zu entwickeln und über die Ausarbeitung eines Objektes in diesem Kontext die Beziehung des Einzelnen zum Ganzen zu klären. Zu entwickeln ist eine Raumsequenz und eine erste Fassade mit der ein Objekt nach aussen kommuniziert. Modellhaft wird hier der gesamte spätere Entwurfsprozess ein erstes Mal in Gänze aufgespannt und wird fortan ein Gerüst sein, in das sich in den folgenden Semestern vertiefende Bausteine eingliedern. Das erste Semester vermittelt keine Rezepte sondern Grundlagen und Methoden, es ist eine Schule des Sehens, Denkens und Machens. Dazu gehört auch eine theoretische Ordnung der Kategorien und Begriffe, die Architektur und Raum in Beziehung setzten sowie die grundlegenden Prinzipen der Raumbildung, die in der den Entwurf begleitenden Vorlesungsreihe und den separaten Tutorien vermittelt wird.

RAUM 2 – das vierte Semester

Im 4. Semester wird gemeinsam mit der Gebäudelehre der Referenzraum architektonischer Typen und Räume weiter ausgebaut. In der Vorlesung werden Raummodelle und Gebäudetypen der Moderne und Vormoderne vorgestellt. In Seminararbeiten werden diese als mimetischer Akt nachgezeichnet und nachgebaut. Sie werden mit Analysezeichnungen und Teilmodellen hinsichtlich ihrer Variation in Abhängigkeit von Ort, Programm, Typus und Oberflächenbeschaffenheit der raumdefinierenden Hülle untersucht, dargestellt und verortet um nachzuvollziehen, was die Entwurfshypothese des Autors gewesen sein könnte und in welcher Art und Wiese diese schliesslich in gebaute Materie umgesetzt wurde. Die Gebäude- und Raumanalyse erzählt dabei eine eigene Geschichte und versteht sich als eigenständiger Entwurf. Ziel ist es langfristig am Fachbereich eine Bibliothek gebauter Raummodelle und Gebäudetypen der Moderne und Vormoderne aufzubauen.

MasterRAUM

Im Masterstudium bewegen wir uns in der Metier gebundenen Welt der Architektur. Die Dramaturgie unserer Entwurfskurse entwicklet sich aus der Spannung zwischen Objekt und Situation. Auch hier ist das Entscheidende nicht das Einzelne sondern das Verbindende, das Ensemble, die neue Situation nach aussen und nach innen in allen Massstäben, von der städtebaulichen Konstellation bis hin zur konkreten Atmosphäre und haptischen Qualität der raumbegrenzenden Oberflächen und Strukturen. Ausgehend von einem konkreten architektonischen Werk erarbeiten wir uns in den Semestern einen Referenzraum, der den internen Diskus bestimmt, der es uns ermöglicht, über die Dinge die wir tun zu sprechen, diese zu bewerten und sie in ein Heute zu verlängern. Um uns zu zwingen, die Dinge immer im Raum zu beurteilen findet ein Grossteil der suchenden Arbeit im Modell statt und wird ergänzt durch das Medium des Bildes und des Plans.

RAUMlabor

Die inhaltliche Beschäftigung kann nicht ohne eine Auseinandersetzung mit den methodischen Mitteln zur Raumdarstellung stattfinden, wofür am Lehrstuhl ein Raumstudio mit Lichtfarblabor und Filmwerkstatt eingerichtet ist. Über eine Greenscreen-Technik kann das Raumstudio unter anderem analoge Modelle in einen digitalen dreidimensionalen Kontext einsetzen und sie innerhalb dieses Kontextes erforschen. Neben der Arbeit mit den aktuellsten 3D-Zeichenprogrammen und den entsprechenden Visualisierungstools, die vor allem auch das Gestaltungspotential von Farbe, Tages- und Kunstlicht berücksichtigen, geht es darum, sich mit der dynamischen Sichtweise von Raum auseinanderzusetzen und dafür das sequentielle Wahrnehmen, bzw. das Medium Film in Form von digitalem Video und entsprechender Software für die Nachbearbeitung einzusetzen.

ForschungsRAUM

Das sich im Aufbau befindende Forschungsprofil des Fachgebiets Raumgestaltung bildet aktuell drei Schwerpunkte aus. Mit dem Thema 'Forschendes Entwerfen' wird Raumgestaltung als Grundlagenfach zum Ausgangspunkt einer Versuchsanordnung, die das architektonische Entwerfen als Modus einer fachspezifischen Forschung untersuchen und begreifen will. In einem Handbuch der Raummodelle der Moderne werden diese hinsichtlich ihrer Variation in Abhängigkeit von Ort, Programm und Oberflächenbeschaffenheit der raumdefinierenden Hülle untersucht, dargestellt und verortet. Es soll eine Datenbank für prototypische Beispiele von gestaltetem Raum entstehen, die im morphologischen Vergleich neue Rückschlüsse erlaubt. 'Der reproduzierte Raum' untersucht als zweites Forschungsfeld, wie die technische Reproduzierbarkeit von Raum in der Fotografie, im Film und in den digitalen Formaten des Internets unsere Wahrnehmung von Raum verändert, und welche Konsequenzen sich daraus wiederum in der Architektur für die Raumdarstellung und Raumgestaltung ableiten. Unter dem Arbeitstitel 'Werkstoffarchiv der oberflächenrelevanten Baumaterialien', das als Einrichtung zunächst praktischen Unterrichtszwecken dient, soll schliesslich in Zusammenarbeit mit Industrie und Handwerk ein Forschungsgebiet aufgebaut werden, das der Frage nachgeht, wie im zeitgenössischen Bauen durch neue Werkstoffe und Oberflächenbearbeitungen veränderte Raumqualitäten erzeugt werden.

Dissertationen

Ausstellung + Raum: Zwischen permanenter Architektur und wechselndem Exponat. – Eine vergleichende Studie zur Funktion von Raum als architektonische Form der Wissensvermittlung in Ausstellungen und seiner Wirkung auf das Ausstellungserlebnis.
Dissertation, Dipl. Ing. Roswitha Kötz

Der Nachhallende Raum – Eine Untersuchung zum Zusammenhang zwischen Raum, Akustik und auditiver Wahrnehmung als typologische Betrachtung anhand quantitativer und qualitativer Beurteilungen.
Dissertation, Dipl. Ing. Adrian Dorschner

Entwerfen lernen – zu einer Didaktik des architektonischen Entwerfens.
Dissertation in Vorbereitung, Dipl. Ing. Constanze Gräff

Der textile Raum – das architektonische Potential von neu entwickelten Textilgeweben.
Dissertation in Vorbereitung, Dipl. Ing. Katharina Oertel